Für Künstler
und Laien

Projekt zum Mitmachen in Galerie

Bad Tölz (ruh) - Profis und
Laien sollen aus Holzresten
Kunstwerke schaffen, das ist
das neueste Projekt des Töl-
zer Galeristen Klaus Dre-
scher. Aus dem Ausstellungs-
raum „Kunstgang" wird ein
Atelier, Kunst wird dort
nicht nur präsentiert, son-
dern auch geschaffen - und
zwar von jedem, der Lust da-
ran hat.

Das Grundmaterial, mit
dem die Projektteilnehmer in
Dreschers Galerie arbeiten
werden, sind 300 Rundhölzer
von 1,65 Metern Länge. Die
Baumstammkerne sind Res-
te, die bei der Herstellung von
Schälfurnier entstehen.

Unter dem Motto „Arbeits-
gänge" sollen aus den Höl-
zern Kunstwerke oder lnstal-
lationen entstehen, so Dre-
scher. Die Materialien und
der Raum sollen Bildhauern,
Schülern oder Hausfrauen in
der Zeit zwischen zwei Aus-
stellungen zur Verfügung
stehen. Ein „Querschnitt
durch die Gesellschaft" soll
sich angesprochen fühlen.
Zwei Jahre später will Dre-
scher Ergebnisse und foto-
grafisch dokumentierte Ent-
stehungsprozesse in seiner
Galerie ausstellen. Interes-
sant erscheint ihm, was un-
terschiedliche Personen aus
identischen Ausgangsbedin
gungen schaffen. „Ich hoffe,
dass bei verschiedensten
Leuten Kreativität angeregt
wird und unterschiedliche
Perspektiven und Lebenser-
fahrungen sich in den Wer-
ken wiederspiegeln." Ziel sei
es, ein besseres Verständnis
für moderne Kunst entstehen
zu lassen. „Jeder ist ange-
sprochen, an dieser Möglich-
keit zur elementaren Form-
erfahrung teilzunehmen, ge-
rade Laien." Bewerber und
Interessenten erhalten nähe-
re Informationen bei Klaus
Drescher unter Rufnummer
08041/74379.

Fantasieprodukt Behördenwürfel

Wer eine Idee hat, kann mitmachen: Klaus Drescher ruft zur Kunst-Aktion mit Holz auf

Bad Tölz - Nicht nur als Aus-
stellungsort, sondern auch als Platz
zum Agieren soll die vor knapp ei-
nem Jahr auf dem Gelände der ehe-
maligen Tölzer Flintkaseme eröff-
nete Galerie „Kunst Gang" genutzt
werden. So stellt sich das Klaus Dre-
scher vor. Jeder, der Lust hat, sich
künstlerisch zu betätigen, könne im
Prinzip mitmachen, lädt der Gale-
rist ein. Laien und Kunstschaffen-
de möchte er anregen, sich vielfäl-
tig an seinem Projekt zu beteiligen.

Das Arbeitsmaterial liegt bereit:
Für das Projekt sind im Kunst
Gang Schälkerne aus Fichtenstäm-
men vorgegeben. Aus denen sollen
je nach Idee Werke entstehen, die
zunächst im Kunst Gang aufge-
stellt und in Form einer Fotodoku-
mentation nach eineinhalb Jahren
Projektlaufzeit als Ausstellung ge-
zeigt werden.

Damit möchte Drescher zum Bild-
hauerischen Gestalten anregen und
den Umgang mit Raum und Figur
spürbar machen. Auf die Idee ist er
in einem Gespräch mit dem Kunst-
historiker Max Loy im Kloster Be-
nediktbeuem gekommen, sagt Dre-
scher, der dort ebenfalls als Dozent
tätig ist. Loy habe damals gesagt, er
würde selbst gerne künstlerisch et-
was schaffen. Dass er damit nicht al-
leine ist, zeigte sich nach Dreschers
erstem Aufruf: Einige Interessen-
ten, quer durch alle Alters- und Be-
rufsschichten, haben sich gemeldet.
Und die erste Figur hat auch schon
Gestalt angenommen.

Die Form eines schwarzen Wür-
fels, die Helmut Renner aus Kochel
zwei auf zwei Meter zusammenge-
nagelt hat, wählte er seinen Worten
nach deshalb, um damit Gleichför-
migkeit, Kantigkeit, Unflexibilität
sowie die Unnahbarkeit und die
Fantasielosigkeit von Behörden dar-
zustellen, wie Renner sagt. Seine
Idee: „Wie es für alles einen Preis
gibt und einen Oskar, soll dieser
Prototyp des sogenannten Behör-
denwürfels als Negativpreis ein-
schlägigen Ämtern vor die Tür ge-
stellt werden. Allerdings aus Beton
- so hätte es der 37-jährigen Fri-
seurs am liebsten.
SIGRID HOFSTETTER

Wer sich an dem Projekt im „Kunst
Gang" beteiligen möchte, wende
sich an Klaus Drescher (Tel.
08041/74379 oder 08857/88517).

Konzeptkunst
eines Laien

Kochler Friseur auf Beuys´ Spuren

Bad Tölz (wal) - Etwas
einsam steht es noch in der
Galerie „Kunstgang" in der
Tölzer Flint-Kaseme: das
erste Kunstwerk einer mög-
lichen Serie: Ein schwarzer
Würfel aus etwa eineinhalb
Meter langen Brettern zu-
sammengenagelt. Wem da
nicht gleich ein Licht auf-
geht, dem hilft der Galerist
Klaus Drescher mit einer
Anweisung. „Der Würfel
symbolisiert die Enge und
die Unbeweglichkeit unseres
Behördensystems. Er steht
stellvertretend für eine nicht
existente, aber notwendige
Auszeichnung aus Beton, die
an die schlechteste Behörde
verliehen werden könnte. So
könnte ein unzufriedener
Bürger zum Beispiel vor das
Tölzer Rathaus so einen Be-
tonklotz stellen, um seine
Wut zu zeigen." Der Kunst-
kenner ist begeistert von der
Arbeit. „Da geht ein Laie hin
und macht Konzeptkunst
wie Joseph Beuys." Auf die
Idee kam der Friseur Helmut
Renner aus Kochel. Von
Klaus Drescher bekam er das
Material, Schälkerne aus
Fichtenstämmen, zur Verfü-
gung gestellt.

Damit es bald ein bisschen
voller wird in der Galerie,
sind nach wie vor Interesier-
te eingeladen, ihr eigenes
Kunstwerk mit den Holz-
pflöcken umzusetzen. Der
Phantasie sind keine Gren-
zen gesetzt, „von Photogra-
phie, über das Arrangement
der Stämme im Raum, bis hin
zu Skulpturen ist alles mög-
lich.", ermutigt Drescher.
Nach eineinhalb Jahren soll
die Summe der Skupturen
dann „ein künstlerisches So-
ziogramm der Gesellschaft
bilden." Bis dahin ist Dre-
schers Kunst-Aktion Anlass,
„über Kunst nachzuden-
ken".

Tölzer Kurier, 09.03.00

Süddeutsche Zeitung, 03.06.00

Tölzer Kurier, 20.06.00

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Das Holz ist da, jetzt ist Ihre Fantasie gefragt: Galerist Klaus Drescher vor dem kantigen Werk seines ersten Mit-Aktionisten.

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Wirbt für ein besseres Verständnis der modernen Kunst: “Kunstgang”-Galerist Klaus Drescher.

“Protest gegen lahme Bürokratie” stellt “Kunstgang”-Galerist Klaus Drescher hier vor.