HERBERT NAUDERER
Zeichnung - Video

Zeichnungen aus
Schlagzeuger-Hand

Herbert Nauderer stellt in
Galerie Kunstgang aus

BadTölz (alz) Zwölf riesi-
ge Bildtafeln von Herbert
Nauderer - jede für sich ein
Ergebnis eines nächtlichen
Zeichentanzes - stellt Klaus
Drescher in seiner Galerie
Kunstgang im Hallenbad der
Flint-Kaserne Bad Tölz vom
8. Juli bis 4.  August aus. Die
Ausstellungseröffnung fin-
det am Freitag, 7. Juli, um 20
Uhr statt. Zu sehen sind die
1,50 mal 2,30 Meter großen
Leinwände, die der Künstler
aus Münsing so präpariert
hat, dass sie Papiereigen-
schaften haben. Zu den ein-
dringlichen Klängen marok-
kanischer Derwisch-Musik
zeichnet Nauderer eine
Nacht lang bei Kerzenlicht
mit Graphit-Stiften in jeder
Hand auf den weißen Unter-
grund. Den Rhythmus der
Musik und der schwingenden
Armbewegungen kann der
Betrachter in der Ausstellung
nachempfinden. Einen Ein-
druck davon vermittelt auch
ein Video, das auf einem Mo-
nitor, der auf dem Boden am
Ende des Kunstganges steht,
zu sehen ist. Der Avantgarde-
Schlagzeuger hat vier seiner
überdimensionalen Zeich
nungen bereits in der "Gale-
rie der Künstler" in München
ausgestellt.
     Wer vorab schon mal einen
Blick auf Nauderers Werke
werfen möchte, kann unter
der folgenden Internetadres-
se www.kunstgang.de nach-
schauen. Die Galerie ist frei-
tags und sonntags von 19 bis
21 Uhr geöffnet oder nach
Vereinbarung (Telefonnum-
mer 0 80 41/7 43 79).

Tölzer Kurier, 06.07.00

Klaus Drescher stellt in seiner Galerie Kunstgang zwölf überdimensionale Zeichnungen des Münsinger Künstlers Herbert Nauderer aus.

Galerie als „Briefkasten”

Nauderer stellt Zyklus „Briefe” im „Kunstgang” aus

Bad Tölz (alz) - Die Briefe,
die Herbert Nauderer „ge-
schrieben" hat, würde die
Post wohl kaum befördern.
Der Münsinger Künstler prä-
sentierte seinen Werkkom-
plex „Briefe" (Qawwal) am
Freitagabend in der Galerie
Kunstgang in der Tölzer
Flint-Kaserne.  In  zwölf
„Briefe" gliedert sich das
Werk, jeder für sich eine Tafel
2,2 mal 1,8 Meter groß - zu
groß für einen Briefkasten,
aber wie geschaffen für den
„Kunstgang".
     Für die Ausstellung „Letz-
te Nacht erste Nacht" in der
Münchner   „ Galerie   der
Künste" zeichnete Nauderer
1999 die Tafeln. „Grundle-
gend für alle Arbeiten dieses
Zyklus ist die Entstehung in
jeweils einer einzigen Nacht,
zumeist in Zusammenhang
mit Musik, woraus sich eine
schnelle, rhythmische Ar-
beitsweise ergibt", charakte-
risiert die Münchner Kunst-
historikerin Susanne Baum-
gart die Zeichnungen des
Künstlers. Dessen Hauptthe-
ma sei die Darstellung von
skizzierten Köpfen, Gesich-
tern und Kopfgestalten, die
als Methaphern für das Den-
ken und Empfinden gelesen
werden könnten.
    Zahlreiche Vernissage-Be-
sucher waren in den „Kunst-
gang" des Galeristen Klaus
Drescher gekommen. Wer
keine Zeit hatte, kann noch
bis zum 4. August einen Blick
auf die „Briefe" werfen.

Tölzer Kurier, 11.07.00

Beim genauen Betrachten lösen sich die einzelnen Gestalten aus dem Gesamtkomplex, den Herbert Nauderer geschaffen hat und jetzt in der Flint-Kaserne ausstellt.

Herbert Nauderer zeigt „rhythmische Tafeln" in der Tölzer Galerie Kunstgang

Auf einen Zug durchgetrommelt

Bad Tölz (bfi) - Nachts bei schumm-
rigem Kerzenlicht und rhythmischer
Musik sind sie entstanden, die zwölf
überdimensionalen Werke des Mün-
singer Künstlers Herbert Nauderer.
„Die Tafeln sind wie gemacht für die
Galerie", freute sich Galerist Klaus
Drescher, der größten Wert darauf
legt, dass „die Ausstellung in sich ei-
ne runde Sache ist". Hauptthema da-
bei ist die Darstellung paraphrasier-
ter Köpfe, Gesichter und Kopfgestal-
ten. Anlässlich der Eröffnung am
vergangenen Freitag in der Tölzer
Galerie Kunstgang im städtischen
Hallenbad erklärte Nauderer, dass
die 1,5 mal 2,3 Meter großen Lein-
wände aufgezogen, mit Kreidegrund
bearbeitet und geschliffen wurden
und somit die Eigenschaften von Pa-
pier erhalten haben. Ausgerüstet mit
je einem Graphit-Stift in jeder Hand
habe er dann für eine Bildtafel eine
Nacht lang durchgearbeitet. „Mir
war wichtig, die herkömmliche Art
beim Zeichnen, wie beispielsweise
Licht oder Pausen, möglichst aus-
zulassen", erklärte Nauderer seine
Werke und fügte hinzu: „Eine Tafel
ist auf einen Zug durchgezeichnet.
Man könnte auch sagen durchge-
trommelt." Je nach Stimmungslage
sind die Bildertafeln recht unter-
schiedlich gehalten, mal ruhiger,
dann wiederum beinahe aggressiv.
Mittels eines Videos, das auf einem
Monitor ausgestrahlt wird, hat der
Betrachter die Möglichkeit, die
schnelle, rhythmische Arbeitsweise
Nauderers nachzuempfinden. Noch
bis einschließlich 4. August können
die Werke in der Galerie freitags und
sonntags jeweils von 19 bis 21.00
Uhr sowie nach vorheriger Vereinba-
rung unter Tel: 08041/74379 besich-
tigt werden.

Lauter kleine Köpfe, beidhändig in stockfinsterer Nacht hingemalt, zeigt Herbert Nauderer derzeit in der Galerie Kunstgang.

Gelbes Blatt, 13.07.00

Ein Sufirätsel als Inspirationsquelle

Der Zeichner und Schlagzeuger Herbert Nauderer stellt derzeit sein ungewöhnliches Werk “Qawwal” aus

Bad Tölz • Qawwal: so nennt
Herbert Näuderer, Zeichner und
avantgardistischer Schlagzeuger
aus Weipertshausen, sein aktuel-
les graphisches Projekt, das nun
in Tölz zu sehen ist.
     Qawwal: Ein Name wie ein Rät-
sel, der letztlich auf die exstati-
sche Musik des islamischen Sufis-
mus verweist. Und in der Tat:
Qawwal wirkt auch hier, im völlig
neuen Umfeld, als Inspirations-
quelle. Herbert Nauderer bearbei-
tet seinen Bildträger in nächtli-
chen Sitzungen bei dämmrigem
Kerzenlicht mit Graphitstiften.
Er zeichnet beidhändig (arbeitet
also wie mit seinen drumsticks), in
Kopf und Ohren klingt beherr-
schend Qawwal.
     Formale oder inhaltliche Vorga-
ben haben hier keinen Platz; die
Musik beflügelt eine Intuition, die
ihrerseits die Zeichenstifte beflü-
gelt. So entsteht, ohne ein zielge-
richtetes Wollen, eher durchs Ge-
schehenlassen, ein graphisches Ge-
bilde nach dem anderen: der Kopf,
die für Nauderers Arbeit so be-
zeichnende Urgestalt, in ständi-
ger Metamorphose.
     Herbert Näuderer hat die Ergeb-
nisse seiner künstlerischen Nacht-
schichten seit Mitte der neunziger
Jahre auf kleinen Einzelblättern
festgehalten, diese zu Hunderten
in Großformaten zusammenge-
fügt. So entstanden mit den Jah-
ren zwölf dieser monumentalen so-
genannten „Briefe". Im letzten
Herbst gab Nauderer seinem Groß-
projekt dann einen neuen Namen;
und er arbeitete nun auf über-
mannshohen, mit Kreide grundier-
ten Leinwandbögen. Aus den Brie-
fen wurde so Qawwal. Seither ent-
standen nicht weniger als zwölf
dieser neuen Bilder, jeweils in den
Maßen 180 mal 220 cm, insgesamt
etwa 3000 neue graphische Physio-
gnomien, in ständigem Wandel be-
griffen. All das kommt nun im
idealen architektonischen Rah-
men des „Kunstgangs" zu ein-
drücklicher Wirkung, ergänzt
durch eine Video-Arbeit von Her-
bert Nauderer und Eckard Zerza-
wi, in der sich die kreative Dyna-
mik von Nauderers Qawwal-Näch-
ten optisch und akustisch vertieft,
intensiviert. Wahrlich spannend
ist diese Arbeit.
   Vernissage war am letzten Frei-
tag. Und nun ist Qawwal in Klaus
Dreschers (siehe Foto oben mit
Herbert Nauderer) Galerie im ehe-
maligen Hallenbad der Flintkaser-
ne in Bad Tölz zu sehen - noch bis
zum 4.August jeweils Freitags
und Sonntags von 19 bis 21 Uhr,
oder auch nach Vereinbarung un-
ter 08041/74379.
ANDREAS HEIDER

 

Süddeutsche Zeitung, 13.07.00