TANJA MOHR

Malerei

mohr

Experimente mit uralten Farbrezepten

Die Münchner Malerin Tanja Mohr stellt in der Tölzer Galerie “Kunstgang” überwiegend abstrakte Gemälde aus

Bad Tölz - Grün, rosa und
blaue Farbflecken, Grundierung in
sandigem Ocker, quer über die gan-
ze Leinwandbreite gezogene Pinsel-
bahnen; darauf aufgesetzt schwarz
durchbrochene Linien. Sie wirken,
als wäre hier ein Biesenvogel über
die noch feuchten Farben gehüpft;
und hätte mit seinen Krallen Abdrü-
cke hinterlassen. Wer sich die Bil-
der der Münchner Malerin Tanja
Mohr ansieht, kann vieles dabei as-
soziieren. Vorausgesetzt, er nimmt
sich die Zeit zu verweilen. Viel-
leicht sollte der Betrachter dann
auch einmal weitergehen und ande-
re Werke der Künstlerin in Augen-
schein nehmen, um dann wieder
vor dem eingangs erwähnten Bild
zu verharren. So lässt sich ständig
Neues entdecken, vorher Gesehe-
nes wegdenken, und es dauert nicht
lange, da fühlt sich der Betrachter
ganz hineingezogen in diese Welt
aus Farben und Formen.

Mit den Gemälden von Tanja
Mohr konnte am vergangenen Frei-
tag bereits die zweite Vemissage in
der „Galerie Kunstgang", auf dem
Gelände der ehemaligen Tölzer
Flintkaseme gefeiert werden. Ende
letzten Jahres war sie mit Werken
des Dietramszeller Künstlers Mi-
chael von Brentano eröffnet wor-
den. Diesmal musste Galerist Klaus
Drescher die Hauptperson aller-
dings als nicht anwesend entschul-
digen. Eine Grippe habe die Münch-
ner Malerin niedergestreckt. Immer-
hin tröstete Drescher einige interes-
sierte Besucher, die gern die Künst-
lerin selbst kennengelernt hätten,
mit der Beteuerung, dass sie sowie-
so nichts über ihre Gemälde gesagt
hätte. Das nämlich sei ganz und gar
nicht deren Intention, vielmehr
überlasse sie es dem Betrachter,
was der sich auf die Groß- oder
Kleinformate für einen Reim ma-
che. Ein paar Details konnte Dre-
scher zumindest über die Arbeits-
weise der Tanja Mohr verraten. Sie
gehe von der traditionellen Ölmale-
rei aus, experimentiere aber gerade
in letzter Zeit viel mit uralten Farb-
rezepten und verwende dazu ver-
schiedenste Harze. Schicht um
Schicht übermale sie die Leinwän-
de, eine Technik, aus der sich die
Tiefe ihrer Bilder erklären lasse.

Hat die Münchner Künstlerin,
wie ihrem in der Galerie aufgeleg-
ten Katalog zu entnehmen ist, bis
vor kurzem noch wesentlich gegen-
ständlicher gearbeitet, so sind die
im Kunstgang ausgehängten Gemäl-
de, die allesamt erst in jüngster Zeit
entstanden sind, abstrakter gefasst.
Hie und da scheinen Fragmente,
meist klassizistischer Architektur
durch die Farbschichten, manch-
mal taucht ein Gesicht oder eine Fi-
gurine hervor. Sehr unterschiedlich
große Formate hat Tanja Mohr da-
bei für ihre jeweiligen Gemälde ge-
wählt, entsprechend divergierend
ist dadurch allein schon die Wir-
kung auf den Betrachter, der sich
mal einem 180 mal 200 Zentimeter
großen Bild gegenüber sieht, dann
wieder einem Kiemformat.

Die 1968 in München geborenen
Künstlerin und Absolventin der dor-
tigen Kunstakademie hat inzwi-
schen in vielen Galerien ausgestellt
und eine ganze Reihe von Auszeich-
nungen erhalten, so zum Beispiel
den Preis des bayerischen Landta-
ges zum Thema „Kunst im Parla-
ment", sowie ein Jahresstipendium
der Studienstiftung des deutschen
Volkes für Großbritannien.

Zu sehen ist die Ausstellung in
der Tölzer „Galerie Kunstgang"
jeweils am Freitag und am
Sonntag zwischen 17 und 19 Uhr be-
ziehungsweise 19 und 21 Uhr, so-
wie nach Vereinbarung unter Tele-
fon 08041/74379.
SIGRID HOFSTETTER


 

Der Duft von Lasuren,
Firnis und Ölfarben

Expressive Malerei von Tanja Mohr im Kunstgang

Bad Tölz (nej) - Expressi-
ve Malerei auf großformati-
gen Flächen erwartete die
Besucher am Freitagabend
im Hallenbad der Tölzer
Flint-Kaserne, Bei der Ver-
nissage  in  der  Galerie
Kunstgang,    präsentierte
Galerist Klaus  Drescher
dem zahlreich erschienenen
Publikum die Werke der
Malerin Tanja Mohr. Ge-
lernt hat die 32-jährige
Künstlerin ihr Handwerk an
der Akademie der Bilden-
den Künste. Ihre Werke
wurden mehrfach prämiert.
Leider konnte die Malerin
wegen Erkrankung nicht
selbst anwesend sein, doch
Drescher führte die Kunst-
interessierten kurz in das
Werk der Münchnerin ein.
Sie schätzt die abstrakte
Kunst. Leuchtende Farben
vermischen sich dabei mit
„realistischen Einstreuun-
gen", so der Galerist. Der
Zugang zu den Bildern er-
schließt sich dem Betrachter
erst nach längerem Hin-
schauen. „Man muss sich die
Bilder selbst erarbeiten, of-
fen hingehen und sich damit
auseinandersetzen", lautete
der Ratschlag des Experten,
     Der Geruch von frischer
Ölfarbe lag noch in der Luft,
denn einige der Bilder waren
direkt vom Atelier in den
Ausstellungsraum gebracht
worden. In ihrer Technik ar-
beitet Tanja Mohr oft mit
mehreren Schichten. Ver-
wendung finden dabei Lasu-
ren und Ölfarben, die sie sich
nach überlieferten Rezeptu-
ren aus dem 15. Jahrhundert
zusammenmischt.
     Freitags von 19 bis 21 Uhr
und sonntags von 17 bis 19
Uhr, öffnet die Galerie ihre
Pforten. Aber auch nach Ver-
einbarung (Telefon 0 80 41/
74379) können die Werke
der Künstlerin begutachtet
werden.

Tölzer Kurier, 02.02.2000

Süddeutsche Zeitung, 03.02.2000

„memento" in der Galerie Kunstgang

Ein Forum für „junge, zeitge-
nössische Kunst hoher Quali-
tät" will Kunstgang-Galerist
Klaus Drescher im Hallenbad
der Tölzer Flint-Kaserne bie-
ten. Am Freitag, 28. Januar,
um 20 Uhr findet die Vernissa-
ge zur Ausstellung neuer Bilder
von Tanja Mohr statt. Die Ma-

lerin schloss die Kunstakade-
mie München als Meisterschü-
lerin ab, präsentierte ihre Wer-
ke in Deutschland, London
und auf der Art Cologne.
Mehrfach wurde sie ausge-
zeichnet, so mit dem Bernward
Preis. Ihre Kunst dominieren
abstrakte Inhalte, in die sie

Bildzitate in figürlichen Mus-
tern einfügt und auflöst. In der
Ausstellung, die bis zum 3.
März zu sehen ist, formen Bil-
der verschiedener Formate ein
Gesamtkonzept, womit die
Grundidee des Kunstganges
als räumliche Installation ge-
wahrt bleibt.    rüh/Foto: kn

 

Tanja Mohr stellt noch bis Anfang März ihre Bilder im Tölzer „Kunstgang" aus

Werke, die in die Tiefe gehen

Bad Tölz (bfi) - Seit Oktober ver-
gangenen Jahres gibt es die Galerie
Kunstgang im Hallenbad der ehe-
maligen Tölzer Flintkaserne. Inha-
ber Klaus Drescher, Dozent an der
Katholischen  Stiftungsfachhoch-
schule in Benediktbeuern, will da-
mit „eine Lücke im Landkreis
schließen". Der Kunstgang solle,
so Drescher, „ein Podium für zeit-
genössische Kunst und ein Gegen-
pol zu den vielen Hobbyausstellun-
gen sein." Selbst ein Absolvent der
Kunstakademie, hat Klaus Dre-
scher den „Riesenaufwand mit die-
ser Galerie" auf sich genommen,
um seine eigenen, wie er sagt, „ho-
hen Ansprüche", auch durchsetzen
zu können. Im Vordergrund wer-
den, erklärt der Galerist, „plasti-
sche Sachen" stehen. Sein Anlie-
gen sei es, dass sich die ausstellen-
den Künstler „mit dem Raum an
sich auseinander setzen".
     Noch bis zum 3. März zieren nun
die Werke der Münchnerin Tanja
Mohr die hohen Wände der Gale-
rie. 1988 begann die 32-Jährige
ihr Malerei- und Grafikstudium
und war von 1991 bis 1994 Mei-
sterschülerin. In den weiteren Jah-
ren erhielt Tanja Mohr einige Sti-
pendien, unter anderem 1994 von
der Studienstiftung des deutschen
Volkes für Großbritannien (UCL)
und 1995 ein DAAD-Stipendium
für London. Danach folgten Aus-
stellungen in verschiedenen Ga-
lerien sowie ein Förderprogramm
der „Art Cologne" in Köln, eine
Gastprofessur an der Sommera-
kademie Pentiment in Hamburg
und ein Kurzstipendium der Stadt
Graz.
     „Mit ihren Bildern muss man sich
intensiv beschäftigen", sagt Dre-
scher. „Der Besucher soll offen
den Werken gegenüberstehen,
soll keine Berührungsängste ha-
ben." Tanja Mohr benutzt zu den
Ölfarben die verschiedensten
Malgerätschaften. Zudem ver-
wendet sie Symbole und Zitate,
die sie bei einer Vielzahl ihrer
Gemälde mit einbringt und die
oftmals im Gegensatz zueinander
stehen. Dabei hält Mohr nicht an
Oberflächlichem fest, vielmehr
gehen ihre Werke in die Tiefe.
Durch  diese Ausdrucksstärke
wird der Betrachter aufgefordert,
sich ausgiebig mit der Formen-
und Farbenvielfalt ihrer Bilder zu
befassen.
     Die Ausstellung in der Galerie
Kunstgang ist freitags von 19 bis
21 Uhr und sonntags von 17 bis 19
Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel.
08041/74379) noch bis einschließ-
lich 3. März zu sehen. Zudem kann
auch ein Teil der Gemälde vom
Foyer des Hallenbades aus besich-
tigt werden.

Tölzer Kurier, 25.01.2000