Forum für zeitgenössische Kunst

Klaus Drescher eröffnet beim Hallenbad in der Flintkaserne Galerie „Kunstgang”

Bad Tölz - Mit der Ausstellungser-
öffnung von Michael von Brentanos
Installation „Verborgene Wälder
und Pinselzeichnungen" gehen für
den Tölzer Klaus Drescher heute
Abend gleich zwei Wünsche in Er-
füllung. Nicht nur dass er an die-
sem Abend seine Galerie, die er be-
zeichnenderweise „Kunstgang" ge-
nannt hat, das erste Mal der Öffent-
lichkeit vorstellen wird. Kann er in
der Exhibition doch mit von Brenta-
no gleich einen „Wunschpartner"
als Künstler präsentieren.

Die Idee mit der Galerie, erzählt
Drescher, der als Kunstdozent an
der Stiftungsfachhochschule in Be-
nediktbeuem lehrt, sei ihm schon
vor längerer Zeit gekommen. Ideal
für seine Zwecke erschien ihm der
Gang zwischen Hallenbad und
Turnhalle auf dem Flintkasernenge-
lände. „Den habe ich entdeckt, weil
ich zweimal die Woche in der
Schwimmhalle trainiere," verrät
der 43jährige, der nicht nur künstle-
risch, sondern auch sportlich ambi-
tioniert ist. Er nimmt an Triathlon-
wettkämpfen in aller Welt teil. Vor
ungefähr einem Jahr habe er Kon-
takt mit den Tölzer Stadtwerken
aufgenommen, denen der 35 Meter
lange Gang gehört. „Die haben sehr
prompt reagiert", lobt er seine Ver-
mieter als kooperative Partner, die
ihn bisher auch tatkräftig unter-
stützten. „Die Lampen beispielswei-
se," zeigt er nach oben an die De-
cke, „haben sie hier installiert." Die
Leuchtröhren allerdings, wie auch
alles übrige Material, habe er aus ei-
gener Tasche bezahlt.

Auf die Frage nach den Umbau-
kosten weiß Drescher keine konkre-
te Antwort. Nur soviel, dass er seit
MärzMiete für, den Raum bezahle,
und solange arbeite er auch schon
daran. So hat er beispielsweise die
beigefarbenen Kacheln, mit denen
der Gang ausstaffiert war, nur noch
an einer Seite unterhalb der Fens-
terfront unverdeckt gelassen. Alles
andere hat er mühevoll mit stabilen
Holzplatten verkleidet. „Ich wollte
einen festen Untergrund haben, in
den man immer wieder Nägel ein-
schlagen kann", erklärt er den Auf-
wand.

Frisch und makellos weiß über-
strichen, ist die lange Wandfläche
nun geradezu ideal, um Bilder und
Objekte wirken zu lassen. Genau
richtig sei der Gang auch für weite-
re Projekte, die er verwirklichen
möchte, glaubt Drescher. „ Viele ha-
ben.mich gefragt, ob ich hier selber
ausstellen will." Das sei aber nicht
seine Intention gewesen, sondern
vielmehr: „Ich will hier mit dieser
Galerie ein Forum für zeitgenössi-
sche Kunst herstellen, junge Künst-
ler zeigen. Installationen, serielle
Sachen, Dinge die sich entwickeln
können." Ob Videoinstallationen
oder Fotografie, Actionkunst oder
Malerei - Klaus Drescher will offen
sein für Neues. Sein Anspruch sei
es, eine neue Richtung in der schon
vorhandenen Galerielandschaft ein-
zuschlagen. Der Boden hierfür,
meint der frischgebackene Gale-
rist, könnte in Tölz sogar fruchtba-
rer sein als in München.

„Kunstgang” am Hallenbad

Wieder einmal zeigen sich die Stadtwerke von ihrer kunstsinnigen Seite.Doch geht es diesmal nicht um luftigleichte Aquarelle, sondern um gewichtigere „Kunststücke".
Klaus Drescher, Künstler und Pädagoge aus Bad Tölz, hat den Gang zwischen Hallenbad und Turnhalle als sehr gut geeigneten Ausstellungsraum entdeckt und baut ihn als „Kunstgang" aus. Er möchte mit dieser Galerie Künstlern aus der Region ein Forum bieten und damit die Kunstszene im Isarwinkel mit zeitgenössischer, junger Kunst beleben. Ab Herbst '99 wird dort vor allem Plastik und großformatige Maierei gezeigt. Um hier besonders auf junge Kunst einzugehen. werden im „Kunstgang" auch Installationen, Aktionskunst, Naturarte und serielle Kunst zu sehen sein.
Kunstinteressierte und Neugierige können durch die neue Eingangshalle des Tölzer Hallenbades in den „Kunstgang" gelangen. Es ist vorgesehen, jeden ersten Freitag im Monat eine Vemissage zu veranstalten. Näheres erfahren Sie bei Klaus Drescher, Klammergasse 6
Bad Tölz. Telefon 7 43 79

„Iron Man" immer fürs Extreme gut

Dreschers Wagnis „Kunstgang”

Bad Tölz (hab)
Künstgang - einen treffende-
ren Namen für seine neue
Galerie in der Tölzer Flint-
Kaserne hätte Klaus Dre-
scher mit Sicherheit nicht
finden können. Denn im
Wortsinne hat der Tölzer
Kunstmäzen einen 25 Meter
langen, weiß getünchten
schmalen Flur des Hallenba-
des in eine Heimstatt für mo-
derne, zeitgenössische Kunst
verwandelt.

Am Freitag abend eröffne-
te der Kunstdozent an der
Fachhochschule Benedikt-
beuern unter großem Beifall
der rund 100 Gäste seinen
Ausstellungsraum - und
konnte mit der Installation
von Michael von Brentano
gleichseinen „Wunschkünst-
ler" präsentieren.

Mit seinem „Kunstgang"
wagt sich Klaus Drescher in
der Kurstadt auf neues, gänz-
lich unerforschtes Terrain.
„Es gibt hier nicht die pro-
fessionelle Kunst, sondern ei-
ne, die schwierig zu verstehen
ist, zu der man seine eigenen
Gedanken entwickeln muss ",
beschreibt Drescher die zu-
grunde liegende Idee, die er
schon seit mehreren Jahren
im Kopf hat. Er, der als Tri-
athlet und mehrfacher „Iron
Man" immer für Extreme gut
ist, will auch hier Ungewöhn-
liches wagen. In nächster Zeit
möchte er ganz verschiedene
Künstler präsentieren. Das
könnten nicht nur Maler,
sondern auch Aktions- oder
Videokünstler sein. Sein An-
liegen dabei: „Ich möchte bei
den Menschen Verständnis
und Toleranz für moderne
Kunst entwickeln, sie dafür
sensibilisieren."

Die Idee, eine Galerie im
verlassenen Gang eines Hal-
lenbades einzurichten, kam
ihm beim Training. „Der lan-
ge Raum fordert den Künstler
sehr, lässt sehr viel künstleri-
schen Freiraum", sagt Dre-
scher. Bei jeder Austellung
soll der Kunstgang anders
aussehen. Dazu hat er in mo-
natelanger Arbeit in Eigen-
regie ein Wandsystem ent-
worfen und eingebaut, mit
dem er ihn für jede Ausstel-
lung neu gestalten kann. „Die
Leute sollen überrascht sein
und sagen, das ist ja ein ganz
anderer Raum", schwebt
Drescher vor.

Das finanzielle Risiko der
Galerie trägt Drescher dabei
ganz allein, denn um Sponso-
ren hat er sich noch nicht be-
müht. „Ich möchte erst etwas
vorweisen können." Gewin-
ne erwarte er nicht. Denn al-
lein die Unkosten für Trans-
port und Unterhalt seien
schon sehr hoch. „Wenn ich
etwas verkaufen kann, dann
möchte ich den Erlös für eine
neue Ausstellung verwen-
den." Er schlägt vor, dass
doch Behörden die aktuelle
Installation zur Gestaltung
ihrer Räume kaufen könnten,
(Besichtigung auf Anfrage
Telefon 0 80 41/7 43 79).


 

Galerist Klaus Drescher

Ziele des Kunstgangs

Der Kunstgang ist ein von Klaus Drescher geführter Ausstellungsraum, der sich folgende Ziele gesetzt hat:

  • Kunst zu zeigen.
  • Künstler zu fördern und in der Region bekannt zu machen.
  • Verschiedene Ansätze der zeitgenössischen Kunst zu vermitteln.
  • Ein Podium für offenen Austausch und Gespräch zu bieten.
  • Die kulturelle Attraktivität der Stadt Bad Tölz zu verstärken.
  • Verkäufe dienen dazu, den Betrieb der Galerie zu sichern und neue Ausstellungen und Projekte zu ermöglichen.

 

Zur Person

Klaus Drescher hat an der Universität München Kunsterziehung für Realschule (Staatsexamen) und anschließend an der Akademie der bildenden Künste München Kunsterziehung für Gymnasium (Staatsexamen) und Bildhauerei / Keramik (Diplom) studiert. Dieser ist jetzt beruflich an der Kath. Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuern als Planungs- und Prüfungsbeauftragter für den Musisch-Sportlichen Bereich tätig.

 

Entstehungsgeschichte des Kunstganges

Zum 1. März 1999 wurde der Gang von den Stadtwerken Bad Tölz an Klaus Drescher vermietet. Dieser Gang war früher der Hauptzugang zu den Sportbereichen der Kaserne und wurde durch Ausbauarbeiten im Hallenbadbereich seiner ursprünglichen Zugangsfunktion beraubt. Der gesamte Raum hat bei einer Breite von 3,5 m eine Gesamtlänge von 34 m. Die Raumhöhe beträgt 3 m und die benutzbare Präsentationsfläche hat eine Größe von 110 qm.

Im Frühjahr 1999 wurde mit dem Ausbau begonnen. Um genügend Hängefläche  für auszustellende Bilder zu bekommen, wurde die gesamte Ganginnenseite neu verkleidet. Für eine gute Beleuchtung und eine brillante Farbwiedergabe wurde ein Lichtband mit einer Mischung aus Leuchtstoffröhren und Halogenlampen über die gesamte Länge des Raumes installiert.

Um eine veränderbare Raumeinteilung zu ermöglichen, wurden spezielle Stellwände konstruiert und gebaut.

 

Laufender Betrieb

Der Ausstellungsbetrieb begann im Oktober 1999. In der Regel finden im Jahr drei Ausstellungen statt. Die bisherige Publikums- und Presse-resonanz war außerordentlich positiv und ermutigend. Mittlerweile gibt es durch die Schließung der Galerien Hermenau in Holzkirchen und der Galerie Reiter in Tölz kein vergleichbares Angebot im Bereich der Landkreise Tölz und Miesbach.

Die Aufwendungen pro Ausstellung betragen im Durchschnitt 2000,- bis 4000,- DM, die bis jetzt kaum von einem Verkauf gedeckt werden. In Gesprächen mit dem Kulturreferenten der Stadt, ist angedacht neben bisher laufenden Projekten, eine weitere Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Tölz zu starten.

 

Schluss

Die Galerie Kunstgang soll auch einen Teil dazu beitragen, die Stadt Tölz als anspruchsvolle Kulturstadt vielfältig zu entwickeln und attraktiv zu präsentieren.